COMEDIE DE SAINT-ETIENNE - Centre Dramatique National


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COMEDIE DE SAINT-ETIENNE - Centre Dramatique National

In Saint-Etienne schöpft das Theater seine unglaubliche Vitalität aus der langen Tradition. Molière hätte gern einmal vorbeigeschaut...
Handelt es sich um einen Fall des 'Napoleon-Syndroms', wenn die Hälfte aller französischen Kommunen immer schon auf dem Sprung ist, auf Grund von Gerüchten Touristen anzulocken?
In Saint Etienne wird dagegen diese Vitalität unter Beweis gestellt: Bereits seit dem 19. Jahrhundert ist die Stadt beliebte Etappe vieler reisender Theatergruppen. Eine Vitalität, basierend auf einem Laientheater hohen Niveaus, das seine Talente in den Arbeitergemeinschaften der Stadt findet. Jean Dasté, aus Grenoble hier angekommen, gründet 1946 die Theatergruppe Quatre Saisons.


Auf Grund des Engagements von Jeanne Laurent, der Befürworterin der Dezentralisierung in Sachen Theater innerhalb der Ministerien der Nachkriegszeit, wird 1947 das erste Centre Dramatique National Frankreichs gegründet. Die Leitung von Dasté dauert bis 1971. Fünfundzwanzig Jahre Theater in Saint Etienne mit einem Repertoire, hauptsächlich aus den französischen Klassikern ausgewählt, auch wenn oft Brecht auf dem Programm steht. Fünfundzwanzig Jahre Theater in Saint Etienne, die eine Erinnerung an ein vor allem volkstümliches Theater hinterlassen, das oft auf einem Marktplatz, im Freien oder unter einem Zeltdach aufgeführt wird.

Es handelt sich um die Jahre des Dachbodens der Ecole des Mines, des ersten Proberaums der neugeborenen Comédie de Saint-Etienne, die Jahre der Seiltänzer, der Aufführungen in den Dörfern, verewigt in den Fotos von Ito Josué. Als Jean Dasté zu Beginn der 70er Jahre zurücktritt, übernimmt Pierre Vial die Leitung eines Theaters, das eine Einheit bildet mit seiner Stadt. Vial findet für sein neues Theater Zuschauer in der "alten" Umgebung der Mutilés du Travail, ein großes und leidenschaftliches Publikum aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten. Auf Pierre Vial folgt eine "zweiköpfige" Theaterleitung, die von Guy Lauzin und Daniel Benoin. Ab 1978 fährt Daniel Benoin allein mit dieser Aufgabe fort. Er ist noch nicht dreißig und somit der jüngste Leiter des Centre Dramatique National de France. Er kommt vom Théatre de l'Aquarium, ist ein innovativer Direktor und hat Talent.

Er übt einen großen Einfluss auf die Comédie aus und erweitert ihren Aktionsbereich. Daniel Benoin gründet, entgegen der damaligen Tendenzen, eine ständige Theatergruppe als Pfeiler seiner künstlerischen Leitung. Er lässt die Klassiker mittels als entschieden modern zu bezeichnender Auslegung auferstehen lässt das Repertoire aber hauptsächlich auf Zeitgenössischem basieren. Ein Theater von heute, das uns von Heutigem erzählt, charakterisiert seit circa zwanzig Jahren die kulturelle Umgebung dieser Region.

Die volkstümliche Basis und das Engagement des öffentlichen Theaters werden jedoch nicht vernachlässigt. Auf Grund der ständigen Theatertruppe der Stadt zieht die Comédie ein größeres Publikum an. In dem von Jack Lang im Jahre 1981 eingeweihten Saal finden die heute 10.000 zählenden Abonnenten Platz. Bei einer Einwohnerzahl von 300.000 ist dies ein Rekord und ein auf 50 Jahren Arbeit begründeter Erfolg.

Daniel Benoin gründet im Jahre 1982 die Comèdie Saint-Etienne, aus der eine der bedeutendsten Schauspielschulen im ganzen Land werden soll. Sie nimmt junge Talente aus dem ganzen Land und dem Ausland zur Aufnahmeprobe an, um zehn von ihnen auszuwählen. Nach drei Jahren der Schauspielerausbildung fühlt sich die Stadt fest mit dieser Schule verbunden: Viele junge Künstler sind zugezogen. Saint-Etienne ist so in wenigen Jahren zu einem Ort geworden, in dem ein Schauspieltalent nach dem anderen hervorgebracht wird. Hier gibt es mittlerweile an die dreißig Theatertruppen, die vor allem für ein regionales, aber auch für ein nationales Publikum spielen.

Eine Stärke der Comédie besteht darin, die Dezentralisierung zu dezentralisieren und sich darum zu kümmern, dass das CDN bei der Lancierung junger Talente Hilfestellung erbringt. Oft sind Autoren der Region zu Gast, denen die Comédie die technischen Mittel und das Publikum einer bedeutenden Einrichtung zur Verfügung stellt. Im Jahre 1991 wird auf Hinweis von François Mazoyer, dem damaligen Bürgermeister der Stadt, Daniel Benoin die Leitung des Theaters Théâtre du Parc - d'Andrézieux-Bouthéon angeboten. Diese kulturelle Einrichtung verfügt über einen Zuschauerraum mit circa 368 Plätzen und zeigt in jeder Schauspielsaison 20 Theaterstücke, 2 davon von der Comédie de Saint-Etienne.

Im Januar 2001 wird die Eröffnung eines neuen Theatersaals, 'Usine' eines kreativen, modularen und alternativen Ortes des Schauspiels, ermöglichen, Ausdrucksformen des Theaters aber auch der Musik und des Tanzes zu zeigen, wobei die Frage der Beziehung zwischen Zuschauer und Bühne weiterhin im Mittelpunkt steht. Gedacht ist diese Einrichtung , auch auf Grund des rein zeitgenössischen Repertoires, für junge Schauspieler und für eine neue Art von Publikum. Im Jahre 2000 ist die Aufführung des Stückes "Crave" von Sarah Kane unter der Leitung von Daniel Benoin eine Erstaufführung in Hinsicht auf die zukünftige Ausrichtung gewesen.

Jedoch hat wohl vor allem die europäische Öffnung der Comédie de Saint-Etienne diese letzten Jahre gekennzeichnet. Gegründet vor circa zwölf Jahren von Daniel Benoin, umfasst die Convention Theatrale Européenne heute mehr als 30 Theater aus 20 verschiedenen Nationen. Es handelt sich um ein weitläufiges, europäisches Netzwerk mit dem Ziel des Austausches von Kultur, Personen und Ideen und der gemeinsamen Nutzung der technischen Einrichtungen: Der Hauptbestandteil ist jedoch das auf Initiative des Conseil de la Loire und der Comédie de Saint-Etienne hin geschaffene Forum du Theatre Europeén (Das fünfte Forum im Juni 2000 hatte den "Schauspieler im 21. Jahrhundert" zum Thema).

Diese Foren sind ein wichtiger Treffpunkt für die Berufsschauspieler Europas geworden, um ihre kreativen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und eine Basis für zukünftige Kreationen zu schaffen. Man kann in einer nicht mehr im Katalog aufgeführten Nummer der Zeitschrift "Du théâtre" die wichtigsten Punkte der Tagesordnung des Forums nachlesen. Jedes Jahr stellt eines der Länder die Situation des Theaters unter europäischem Gesichtspunkt dar.

Ein großes Publikum ist jedes Mal in Saint Etienne bei den abendlichen Vorführungen zugegen, wenn wie in den vergangenen Theatersaisons Namen wie Ronconi, Vassiliev und Lev Dodine (in der letzten Saison) auf dem Programm stehen. Dementsprechend werden die Schauspiele der Comédie regelmäßig im Ausland aufgeführt. Seit dem Jahre 1980 ist Daniel Benoin der französische Bühnenbildner, der am häufigsten in den Theatern im Ausland tätig ist. 1997 ist er für den 'Don Giovanni' in Antwerpen, 1998 für das Stück 'Herr Puntila und sein Knecht' in Bonn, 1999 für den 'Geizigen' in Stockholm und im Jahre 2000 für 'Die Trojanerinnen' von Seneca in Sevilla verantwortlich.

Damit europäischen Bühnenbildern die gleiche Erfahrung zuteil wird, heißt die Comédie seit 1992 ausländische Bühnenbildner Willkommen, die dort zum ersten Mal ein Stück in französischer Sprache aufführen lassen: Jerry Grzegorzewski (Don Giovanni), Manfred Beilharz (Das Erwachen des Frühlings), Dusan Jovanovic (Lorenzaccio)...

Ziel war es also einerseits die lokale Schauspielerei mit volkstümlicher Ausrichtung zu unterstützen und andrerseits eine Verbreitung in Europa zu fördern, wodurch sich die aktuelle Politik der Comédie de Saint-Etienne auszeichnet. Das dynamische Wesen, das dieses Theater seit seiner Gründung beibehalten konnte, lässt uns hoffen, dass wir in einigen Jahren diesem Diskurs weitere Seiten hinzufügen müssen.